Hardcase Rucksack HPRC3500

Hier ein kleiner Test des einzigen mir bekannten Hardcase-Rucksackes, des HPRC3500. Die italienische Firma Planer S.L.R ist für Ihre robusten HPRC-Fotokoffer (ähnlich der vielleicht noch bekannteren Pelicases) bekannt, die sie auch für andere Marken herstellt. Der HPRC3500 ragt insofern aus der Produktpalette heraus, weil er von Grund auf als Rucksack konzipiert wurde. Keine rechteckige “Ziegelstein”-Form, sondern ein gefälliges Trapez mit gerundeten Ecken und Kanten.

Vom theoretischen Prinzip her vereint er die Vorteile eines Hardcases (Robustheit, Wasserdichtigkeit, maximaler Stossschutz) mit denjenigen eines Rucksackes (über weite Strecken bequem zu tragen). Und in der Praxis? Ein kurzes Fazit habe ich in meinem “kleinen, subjektiven Rucksacktest” bereits gezogen. Hier folgt nun die ausführliche Version mit vielen Bildern..

Technische Daten

-Gewicht Hardcase: 3kg

Masse innen (selber gemessen)
-Höhe: 44cm
-Breite unten: 32cm
-Breite oben: 25cm
-Tiefe unten: 17cm
-Tiefe oben: 14cm

Erster Eindruck und Konstruktion

Der erste Eindruck in geschlossenem Zustand ist “kompakt, schlank, stabil”. Eigentlich ein typisches Hardcase, einfach in einer weniger eckigen, “gefälligeren” Form. Der Handgriff, die Verschlüsse, die Scharniere, alles macht einen stabilen und wertigen Eindruck. Ich war auch überrascht, wie leicht er ist: Gut drei Kilo, das ist sogar leichter als mein Lowepro Vertex 300. Es gibt vier Laschen zum Befestigen von Zubehör aussen am Rucksack.

Das Tragesystem ist mit mehreren Schrauben stabil an der Rückseite befestigt. Die Schrauben sind nicht durchgängig, also keine Beeinträchtigung der Dichtigkeit. Das Rückenpolster ist relativ dünn und gerade. Die Träger sind bequem und konturiert.

Nach dem Öffnen folgte eine kleine Enttäuschung. Die mitgelieferte Innentasche ist zwar passgenau und macht einen ordentlichen Eindruck, ist aber für meinen Geschmack zu dünn gepolstert und nützt auch nicht die volle Innenhöhe aus. Eine Crop DSLR wie die Nikon D90 mag aufrecht stehend gerade noch hineinpassen, eine grössere Vollformatkamera wie z.B. die Nikon D700 mit untergeschraubter Stativplatte ragt ca. 3cm über den oberen Rand. Das ist zwar kein grosses Problem, denn der Deckel der Innentasche ist flexibel und Raum im Kofferdeckel ist auch genug vorhanden, aber es ist halt unschön.

Mitgeliefert werden drei Innenteiler in der vollen Länge der Tasche plus eine Rolle zuschneidbares Doppelklettband, um die Teiler zu fixieren. Ich habe eine für meine Bedürfnisse perfekte Einteilung gefunden, aber ein herkömmliches System mit Klett-Teilern wäre flexibler. Da die Innentasche nirgends fixiert ist, kann man natürlich auch Taschen von anderen Herstellern verwenden. Allerdings dürfte es durch die leicht konische und gebogene Form der Aussenschale schwer werden, etwas passendes zu finden. Alternativ kann man das Case auch mit einem Würfelschaumstoff bestellen, der sich dann perfekt an die eigene Ausrüstung anpassen lässt. Ein Problem hat man allerdings, wenn sich Teile der Ausrüstung ändern, dann kann man u.U. den Schaumstoff wegschmeissen. Ich bevorzuge deshalb die Innentasche, da kann ich die Einteilung flexibel ändern.

Da die Innentasche wie gesagt relativ flach ist, bleibt in der Deckelschale noch freier Platz. Es gibt zwar vom Hersteller eine passgenaue Deckeltasche zum Einkleben, aber die ist sehr flach und hat nur ein grosses Fach für ein paar Papiere o.ä. Ein kleiner Laptop oder ein iPad hätten zwar wahrscheinlich Platz darin, aber ich weiss nicht, ob der Kleber stark genug ist, das Gewicht zu halten. Deshalb habe ich diese Tasche nicht gekauft. Man kann aber z.B. einen leichten Pulli oder einen Regenschutz in den leeren Deckel hineinpacken. Natürlich kann man auch hier Taschen von anderen Herstellern verwenden, wenn man etwas passendes findet. Den Deckel ganz leer zu lassen ist nicht optimal, da die Innentasche wie bereits erwähnt nirgends fixiert ist und deshalb die Tendenz hat “in den Deckel zu fallen”, wenn man Rucksack umkehrt.

Zugriff und Fassungsvermögen

Zum Öffnen muss man den Rucksack mit den Trägern auf den Boden (und ggf. in den Dreck…) legen. In leerem Zustand kann man den Rucksack zwar in einer Art aufrechtstehendem “V” öffnen, in beladenem Zustand ist das aber nur in leicht abschüssigem Gelände möglich, da die Gewichtsverteilung nicht mehr stimmt. Schade, das wäre ein sehr eleganter Zugriff gewesen. Beim Schliessen muss man aufpassen, dass die Zipper des Reissverschlusses nicht eingeklemmt werden. Einer ist bereits kaputt deswegen.

Das Fassungsvermögen reicht für eine mittelgrosse Ausrüstung. Auf den Fotos ist zu sehen: D700 mit angesetztem 2.8/105mm Micro, 1.4/24mm, 1.4/50mm, Blitz SB600, div. Filter und Reinigungsmaterial. Auch ein bis zwei weitere mittelgrosse Objektive hätten noch Platz. Natürlich passt auch meine aktuelle Pentax 645D hinein.

Tragekomfort

Der HPRC3500 trägt sich besser als erwartet, aber trotzdem schlechter als ein herkömmlicher “weicher” Rucksack. Eine Tageswanderung in den Bergen möchte ich damit nicht unternehmen, obwohl die stabile Konstruktion genau dafür eigentlich ideal wäre. Zwei- oder dreistündige Wanderungen oder Trips, wo man den Rucksack auch öfters mal abstellen kann, sind jedoch kein Problem. Das Tragesystem ist eher von der einfacheren Sorte. Die Träger sind zwar bequem gepolstert und konturiert, aber das Problem ist aber die mangelnde Verstellbarkeit und das relativ dünne, gerade Rückenpolster. Der Hüftgurt ist ein Witz und sollte eher Bauchgurt heissen. Entweder der Rucksack passt zum Rücken oder nicht; Anpassungsmöglichkeiten gibt es keine (ausser natürlich die Länge der Träger). Pluspunkt ist die schmale, dünne Form; das bringt den Schwerpunkt nah zum Rücken.

FAZIT

Auch der HPRC3500 ist keine eierlegende Wollmilchsau. Das Konzept überzeugt zwar und hätte Potential, ist allerdings nicht konsequent zu Ende gedacht. Da ginge noch viel mehr: Mittels Klickmechanismus andockbare Module (Soft- oder Hardshell), verschiedene Tragesysteme, verschiedene Innentaschen etc. Ich hoffe, dass der Hersteller den HPRC3500 nicht nur als einmaliges Experiment betrachtet, sondern das Konzept weiterentwickelt; dann könnte die eierlegende Wollmilchsau nicht mehr weit entfernt sein. Da das Case aber nun schon einige Jahre unverändert auf dem Markt ist, wird sich da wohl nicht mehr viel tun – schade.

Vorteile

– Alle Vorteile eines Hardcases verbunden mit der Mobilität eines Rucksackes
– Das Hardcase wurde dem Verwendungszweck entsprechend modifiziert
– Schlankes, flaches und aufgeräumtes Design
– Leicht (relativ)
– Als Sitz/Hocker nutzbar (in geschlossenem Zustand)
– Steht stabil aufrecht (in geschlossenem Zustand)
– Verschiedene Nutzungsmöglichkeiten des Innenraumes

Nachteile

– Mittelmässiger Tragekomfort
– Muss zum Öffen “in den Dreck” gelegt werden
– Nur ein grosser Innenraum ohne Taschen, Fächer etc.
– Mitgelieferte Innentasche nicht optimal
– Deckelinnenraum nicht ausgenützt

 Bildergalerie

Hier nun die Bilder mit vielen Details. Ein Klick auf ein Bild öffnet eine grössere Version. Da einige Fotos mit meinem Handy aufgenommen wurden, ist die technische Qualität evt. nicht so wie in diesem Blog sonst gewohnt…


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