Crossfit – Old Factory

Wieder einmal ein kleiner Ausflug aus meiner Komfortzone…

Eine Bekannte von mir, Fitnesscoach und Personaltrainerin, hat vor kurzem eine Crossfit Box (Neudeutsch für Trainingshalle… 😉 ) übernommen und mich gefragt, ob ich nicht ein paar Bilder von ihr und den Coaches machen könnte. Für Webseite, Flyer, Instagram und persönlichen Gebrauch.

Zwar nicht gerade mein Spezialgebiet, aber eigentlich kam mir die Anfrage gerade zupass, konnte ich doch so den AF-C meiner neu erworbenen X2DII testen (Erfahrungsbericht dazu folgt zu einem späteren Zeitpunkt…).

Die betreffende Crossfit Box war in einer alten, stillgelegten Industriehalle angesiedelt. Fenster waren nur auf einer Schmalseite vorhanden, die Beleuchtung bestand aus ein paar kümmerlichen Leuchtröhren hoch an der Decke. Bei den (statischen) Einzel- und Gruppenportraits konnte ich noch mit ISO1600 fotografieren, bei den dynamischen Sportbildern musste ich für eine kurze Verschlusszeit auf ISO6400 hochgehen – und selbst das war manchmal noch zu wenig. Alle Bilder mit der Hasselblad X2DII und den beiden Objektiven XCD 4.0/25mmP und 3.4/75mmP. Ich hatte zwar noch einen Aufsteckblitz und eine starke Taschenlampe dabei (für Akzentlicht oder zum dezenten Aufhellen), habe aber beide nicht genutzt, digitale Nachbearbeitung sei Dank. Studioleuchten oder -blitze besitze ich nicht; wäre in der grossen Halle mit den häufigen Positionswechseln der Sportler auch sehr umständlich gewesen.

Die Atmosphäre der Halle fand ich ziemlich cool, die verblichene Farbe und der abblätternde Putz sind authentisch und zeugen von der industriellen Vergangenheit. Meine Kollegin war jedoch gar nicht begeistert und hätte die Wände schon längst neu verputzt und gestrichen, wenn es nicht so teuer wäre. Sie hätte es auch vorgezogen, wenn ich sämtliche Unperfektheiten wegretuschiert hätte. Bei der Menge an Löchern in der Wand und der Menge an Bildern (später dazu mehr) habe ich mich aber geweigert… 😉 .

Der Nachführautofokus der X2DII hat seine Aufgabe sehr gut erledigt, auch und gerade im Serienbildmodus. Zwar hatte ich einige unscharfe Bilder, aber das lag v.a. an einer zu langen Verschlusszeit für die jeweilige Szene. Ich denke zwar nicht, dass der AF-C an die Geschwindigkeit einer modernen Nikon-/Canon-/Sony-Kamera herankommt, aber der Sprung von der X2D zur X2DII ist riesig!

Betreffend Serienbildmodus: Die drei Bilder pro Sekunde der Hasselblad sind manchmal zu wenig bei sehr schnellen Bewegungen, andererseits sind auch so schon über 800 Bilder zusammengekommen in rund 3 Stunden (normalerweise benötige ich für eine solche Anzahl Bilder 2 Wochen Ferien 😉 ). Hätte die Kamera 10 Bilder/Sek wären es wohl 2000 geworden… Das hat mich bei der Bildauswahl und Nachbearbeitung viel Zeit und Nerven gekostet und die Frage aufgeworfen, ob der Serienbildmodus tatsächlich immer die bessere Lösung bei Action ist. Vielleicht wäre es gar nicht verkehrt, ganz bewusst genau einmal, dafür im exakt richtigen Moment auszulösen, statt per Dauerfeuer den Speicher zu füllen und dann Stunden mit der Bildauswahl vor dem Computer zu verbringen. Behalten habe ich schlussendlich rund 160 Bilder. Übrigens ist mir im Serienbildmodus noch etwas aufgefallen: Die fehlende Dunkelzeit im Sucher! Ein grosser Krititpunkt von Sport- und Tierfotografen ist die Tatsache, dass bei der Hasselblad X-Serie nach jeder Auslösung der Sucher kurz schwarz wird; für bewegte Motive suboptimal, um es vorsichtig auszudrücken. Im Serienbildmodus der X2DII ist das nicht der Fall, selbst wenn man den Sucher nur kurz antippt und ein Einzelbild aufnimmt, gibt es keine Dunkelphase. Warum das im Serienbildmodus funktioniert und im Einzelbildmodus nicht, weiss wohl nur Hasselblad…?! Ob das auch bei der X2D und ggf. sogar schon bei der X1D der Fall war, weiss ich nicht, da ich den Serienbildmodus eigentlich nie benutzt habe, da ohne AF-C meistens sinnlos.

In der Bildentwicklung habe ich mich für eine kontrastreiche Ausarbeitung entschieden. Sehr gut passen meiner Meinung nach auch die schwarz-weiss Bilder, sowohl dem Thema als auch dem morbiden Charme der Halle entsprechend. Bei der Sportlerin mit dem lachsfarbenen Bodysuit fand ich den Farbkontrast zum eher grauen Ambiente spannend. Zudem habe ich viel mit einer Vignette gearbeitet, um den Hintergrund abzudunkeln und die Sportler lichttechnisch ins Zentrum zu rücken.

Zwei Erkenntnisse habe ich aus diesem Shooting für mich mitgenommen.

Erstens: Es ist von grossem Vorteil, wenn der Fotograf mit der zu fotografierenden Sportart vertraut ist, sie im besten Fall sogar selber ausübt. Bei mir war das nicht der Fall und so sind mir viele Fehler unterlaufen oder gute Bilder entgangen, weil ich die Bewegungsabläufe nicht voraussehen konnte.

Zweitens: Die Sporter selber haben einen ganz anderen Blick auf die Bilder als der Fotograf. Bilder, die ich als dynamisch und gelungen empfinde, lösen bei den Athleten Stirnrunzeln aus, weil „unsaubere Bewegungsausführung“. Umgekehrt lösen Fotos Begeisterung aus, die ich als unvorteilhaft oder langweilig empfinde.

FAZIT: Zwar war es für mich als unerfahrenen Sportfotograf ein bisschen stressig aber ich habe wieder viel gelernt und da es ja „nur“ ein Freundschaftsauftrag war, hat es natürlich trotzdem Spass gemacht. Die Truppe war auch mit Begeisterung dabei und hat häufig selber Vorschläge für Bilder gemacht.


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