Was machen Sie denn da…?

Was machen Sie da?

 

Was machen Sie denn da?

Passiert Euch das auch hin und wieder? Man hat sein Stativ aufgebaut und wartet nun geduldig hinter der Kamera auf den optimalen Zeitpunkt zum Auslösen (Sonne, Wolken, Passanten etc.) und plötzlich tönt es neben einem:

“Siiiiiee, was machen Sie da eigentlich?”

Und schon entspinnt sich folgender Dialog (der sich tatsächlich so abgespielt hat, während ich das obenstehende Bild gemacht habe):

Ich: “Nun, ich fotografiere.”
Passant: “Soso, und was genau fotografieren Sie?”
Ich: “Naja, dieses Haus mit der interessanten Architektur vor der fotogenen Wolkenstimmung”.
Passant: “Ääh…, das ist jetzt nicht Ihr Ernst, oder?”
Ich: “Doch, natürlich, warum…?”
Passant: “Aha, und was machen Sie mit diesen Fotos?”
Ich: “Die übergebe ich bei Eignung meiner Bildagentur.”
Passant: “Und was macht die Bildagentur damit?”
usw…

Natürlich weiss ich genau, warum mein Gegenüber mir all diese Fragen stellt. Nach mehr oder weniger langem “um den heissen Brei” herumreden kommen alle früher oder später auf den tatsächlichen Punkt zu sprechen: “Fotografieren Sie etwa die Leute hier?” oder etwas allgemeiner: “Sie wissen aber schon, dass das verboten ist?” oder “Sie, das geht aber nicht!”.

Viele Leute sind heutzutage extrem verunsichert, wenn jemand mit der Kamera in der Oeffentlichkeit fotografiert. Bis zu einem gewissen Grad kann ich das nach all den Geschichten mit der NSA, Google etc. auch verstehen. Andererseits hat es schon fast etwas Lächerliches, einem einzelnen Fotografen, der ohne Heimlichtuerei und gut sichtbar für alle seiner Passion nachgeht, mit dermassen viel Misstrauen zu begegnen, während man sich um die Tausende in der Stadt verteilten Ueberwachungskameras keine Deut schert.

Meine Strategie in solchen Situationen ist es, auf jeden Fall ruhig und höflich zu bleiben, auch wenn es bei den ganz penetranten Fragestellern manchmal schwerfällt. Wenn man ruhig und sachlich erklärt, was genau man fotografiert und warum, sind die meisten irgendwann zufrieden. Wir Fotografen sollten nicht vergessen, dass wir die Dinge anders sehen; wo wir ein lohnenswertes Muster oder einen interessanten Kontrast erkennen, ist für andere Leute einfach “nichts”. Dementsprechend schwer ist es manchmal zu vermitteln, warum man nun genau dieses Haus aus diesem Blickwinkel fotografieren möchte. Sehr hilfreich ist die Abgabe meiner Visitenkarte; das schafft Vertrauen, da ich jetzt nicht mehr “der anonyme Voyeur” bin, sondern eine Person mit Namen und Adresse. Und auf meiner Homepage können die Leute sich anschauen, was ich fotografisch sonst noch so treibe. Dass ich damit gleichzeitig auch noch ein bisschen Werbung für meinen Internetauftritt mache, ist natürlich ein netter Zusatzeffekt… 🙂

Früher war alles besser?

Natürlich nicht! Aber in diesem einem Punkt stimmt es tatsächlich. Auch früher kamen hin und wieder andere Leute auf mich zu, wenn ich mit der Kamera am Hantieren war. Aber im Gegensatz zu heute wurden keine misstrauischen Fragen gestellt, sondern meistens waren es ebenfalls an der Fotografie interessierte Leute, die einfach ein bisschen plaudern und fachsimpeln wollten.

Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

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