Venedig – vor dem Karneval

Ehrlich gesagt habe ich vor kaum einem anderen Beitrag so lange gezögert, ehe ich ihn veröffentlicht habe. In diesem Fall waren es fast 5 Jahre…

Venedig gehört wohl mit zu den meistfotografierten Orten dieser Welt. Sollte ich da wirklich auch noch mein x-millionstes Foto des Markusplatzes publizieren? Eigentlich unnötig. Warum ich jetzt dann trotzdem diesen Beitrag schreibe? Gleich drei Gründe haben mich meine Meinung ändern lassen:

  • Es ist mein Blog – ich bin niemandem verpflichtet und kann also publizieren, was ich will 🙂 . Poste ich Uninteressantes, werde ich halt von meinen Lesern mit Nichtachtung oder flapsigen Kommentaren bestraft…
  • Würde ich das Argument „schon millionenfach fotografiert“ konsequent anwenden, könnte ich meinen Blog gleich ganz schliessen.
  • Mein Venedig-Kalender verkauft sich seit Jahren trotz grosser Konkurrenz ziemlich regelmässig – ganz so schlecht können die Bilder also nicht sein 😉

Jetzt aber genug geplappert, zur Sache. Es wird kein chronologischer Reisebericht, sondern ich werde eher ein paar Punkte ansprechen, die mir aufgefallen sind und die nicht in jedem Reiseführer stehen.

Zu Weihnachten 2011 haben unsere beiden Söhne meine Frau und mich mit einer fixfertig gebuchten (und bezahlten…) Reise nach Venedig überrascht! Das bedingte zwar noch etwas Ueberredungskünste im Büro von wegen kurzfristigen Ferien und so, aber schlussendlich hat alles geklappt. Wir waren nur zwei volle Tage vor Ort (plus An- und Abreisetag), aber man kann auch in dieser kurzen Zeit in die einzigartige Atmosphäre Venedigs eintauchen.

Unterkunft

Untergebracht waren wir im Hotel Ca‘ dei Conti****, in einer kleiner Seitengasse (bzw. einem kleinen Seitenkanal) etwa 5-10 Minuten zu Fuss vom Markusplatz entfernt. Das Interieur war klassisch: Senffarbene Tapeten, Nussbaummöbel mit Messingbeschlägen, Brokatvorhänge, Spiegel mit Goldrahmen etc. Also alles sehr passend und stimmungsvoll. Ansonsten kann ich zum Hotel nicht viel sagen, denn wir waren eigentlich nur zum Schlafen dort und ansonsten jede freie Minute unterwegs.

Venedig

Hier der Eingang unseres Hotels über eine kleine Brücke bzw. vom Kanal aus.

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Reisezeit

Wir waren Ende Januar dort. Das war wettertechnisch eher suboptimal; am ersten Tag konnten wir bei frischen 5 Grad wenigstens hin und wieder ein paar Sonnenstrahlen geniessen, aber am zweiten Tag blieb es bewölkt und ein kalter Wind trieb zeitweilig Schneeschauer über die Lagune. Allerdings wurde das mässige Wetter durch die Tatsache, dass es um diese Jahreszeit fast keine Touristen hat(te), mehr als aufgewogen. Jawoll, Venedig (fast) ganz ohne Touristen, das geht tatsächlich noch, v.a. morgens und abends (tagsüber merkt man dann schon eine deutliche Zunahme durch die von ausserhalb kommenden Tagestouristen). Einerseits waren die Weihnachtsferien vorbei und andererseits fand der Karneval erst zwei Wochen später statt; es herrschte also gewissermassen Zwischensaison in Venedig. Das war von grossem Vorteil nicht nur beim Fotografieren (mit Stativ), sondern auch beim sich Bewegen in den teilweise recht engen Gassen. Man hört ja ansonsten ziemliche Schauermärchen über die Menschenmassen, die an einem schönen Sommertag Venedig verstopfen.

Venedig

Ein kleiner Platz irgendwo im Gassengewirr mit den in Italien üblichen „Souvenir/Ramsch“-Ständen

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Unterwegs

Ich hatte ehrlich gesagt etwas Mühe, mich in Venedig zu orientieren und war recht froh um Google Maps und GPS… 🙂 . Das liegt daran, dass es keine eigentlichen Hauptverkehrsachsen für Fussgänger gibt; es ist alles ein einziges Gewirr aus Gassen, Kanälen und Brücken. Ich musste zuerst lernen, mich mehr an den Kanälen zu orientieren (bei denen existiert eher eine Art Hierarchie), aber für mich Landratte glich zu Beginn ein Kanal dem anderen. Ansonsten ist Venedig von der Grösse her natürlich ideal zum Erkunden per pedes. Zumindest bei normalem Wasserstand, bei Hochwasser wird es zu Fuss etwas komplizierter…

Venedig

Einer der zahlreichen Kanäle in die Lagune. Abends im Januar sind kaum Leute unterwegs, sodass man eigentlich ziemlich ungestört fotografieren kann.

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Verpflegung und Preise

Ueber die Verpflegung gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Trotz Zwischensaison hatten die meisten Restaurants geöffnet; die Bandbreite reicht vom typischen Touristen-Schnellimbiss bis zur gehobenen Gastronomie. Die Preise variieren nicht nur aufgrund der Qualität oder der Sterne, sondern auch geographisch – mit der Piazza San Marco als „Hotspot“. Ein Espresso mit freier Sicht auf die Piazza kostet schnell einmal 8 EUR, während man 2 Gehminuten entfernt in einer Seitengasse noch 1-2 EUR bezahlt. Meine Frau liebt übrigens Fisch und ist in Venedig voll auf ihre Rechnung gekommen.

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Anreise

Wir sind mit dem Flieger  angereist und haben vom Flughafen Marco Polo ein Wassertaxi genommen. Natürlich kann man auch ein normales Taxi nehmen oder den Bus, aber zu Wasser ist irgendwie die passendste Fortbewegungsart für Venedig.

Venedig

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Fotografisches

Besondere Motive kann man in Venedig nicht hervorheben – die ganze Stadt besteht nur aus solchen! Natürlich sollte man die klassischen Spots wie Markusplatz, Rialtobrücke, Canale Grande etc. besuchen, wenn man schon einmal dort ist; die sind ja nicht umsonst so berühmt. Aber ich kann nur jedem empfehlen, auch einfach auf’s Geratewohl kreuz und quer durch die Gassen und über die Brücken zu spazieren und sich alle paar Minuten von Neuem überraschen lassen. Wie schon weiter oben erwähnt, lohnt sich frühes Aufstehen. Auch zur blauen Stunde, wenn alle beim Abendessen sitzen, gelingen ungestörte Aufnahmen mit teilweise betörenden Lichtstimmungen.

Zum Technischen: Ich hatte damals meine Pentax 645D erst seit einigen Tagen und dies war mein erster Urlaub damit. Alle Bilder sind deshalb noch mit dem 2.8/55mm Kitobjektiv entstanden – es war das einzige Objektiv, dass ich zu der Zeit besass. An Zubehör war nur ein Polfilter und natürlich das Stativ dabei. Heute bedauere ich, dass ich nicht mehr mit Langzeitbelichtungen wie dieses Jahr in Triest (das ja gar nicht so weit von Venedig entfernt ist) gearbeitet habe, aber damals hatte ich das noch nicht so auf dem Schirm. Für unterwegs hatte ich das Hardcase-Backpack HPRC3500 dabei. Es ist ein sehr beruhigendes Gefühl, wenn man auf dem Wasser unterwegs ist und weiss, dass die gesamte Fotoausrüstung 100%ig wasserdicht verpackt ist.

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 Impressionen

Zum Schluss noch ein paar Impressionen.

Venedig

Der Markusplatz ganz früh noch vor Sonnenaufgang – magisches Licht und menschenleer (bis auf Pendlergruppen, die Wassertaxis rund alle 10 Minuten ausspucken und die nach wenigen Sekunden in den Seitengassen verschwunden sind).

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Venedig

Ein Ausschnitt der Fassade des Palazzo Ducale auf der Piazza San Marco.

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Venedig GondelnDie Gondeln vor San Giorgo Maggiore, ebenfalls kurz vor Sonnenaufgang – millionenfach abgelichtet und doch für jeden Fotografen eine unwiderstehliche Versuchung… 🙂

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Venedig

Sonnenuntergang hinter der Lagune an der Riva degli Schiavoni.

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Venedig

Sicht auf den Canale Grande von der Rialtobrücke aus – bei leider ziemlich diesigem Wetter.

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Venedig

Von einem Spaziergang an der Lagune

 

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