Türkei – Fazit

Wie versprochen hier nun ein kleines Fazit unserer Türkeireise, sowohl aus allgemeiner wie auch speziell aus fotografischer Sicht.

Historische Einordnung

Als wir unseren Bekannten erzählten, dass wir in die Türkei reisen wollten, war die meistgehörte Antwort: „Oh, schön, Badeferien in Antalya“ (oder so ähnlich). Dabei geht vergessen, dass die Türkei auch geschichtlich eine Menge zu bieten hat. Antike und historische Sehenswürdigkeiten verbindet man eher mit Griechenland, Syrien, Israel, Jordanien, Palästina etc. Aber wer weiss schon, dass z.B. Troja in der Türkei liegt? Ich wusste es vorher nicht, ich geb’s zu…

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Aktuelle Situation

Die Türkei ist ein Land voller Gegensätze. Nicht nur klimatisch und landschaftlich, das ist bei einem so grossen Land nicht so aussergewöhnlich. V.a. das Stadt-/Land Gefälle ist sehr gross, sowohl in sozialer aber auch in religiöser Hinsicht. Wie bereits ein einem früheren Blogeintrag angesprochen, sind auf dem Land häufig noch sehr strenge patriarchalische und religiöse Strukturen vorhanden. In den Grossstädten an der Küste wie Istanbul oder Izmir ist davon wenig zu spüren. Einheimische Frauen im Minirock sind keine Seltenheit. In Zentral-Anatolien undenkbar…

Die Grossstädte leiden allerdings unter der Landflucht. Die öffentliche Hand unterstützt daher private Bauvorhaben mit günstigen Krediten, um die daraus resultierenden infrastrukturellen Probleme in den Griff zu bekommen. In der Tat ist auffällig, wie viele Neubauten, ja ganze Trabantenstädte in den Aussenbezirken der Metropolen aus dem Boden schiessen.

Im Grenzgebiet zu Syrien sind wir auch an vorbereiteten, aber noch leeren Zeltlagern für syrische Flüchtlinge vorbeigefahren. Da wurden wir kurz aus unserem Dornröschenschlaf geweckt und uns dem Bizarren der Situation bewusst. Zwei Menschengruppen (theoretisch) am geographisch gleichen Ort und doch wie von zwei verschiedenen Planeten. Das war ein sehr surreales Erlebnis!

Tourismus

Bei den Hotels sind gegenüber mitteleuropäischem Standard Abstriche zu machen. Ein türkisches 4* Hotel entspricht bestenfalls 3* in Mitteleuropa. Zwar gibt es auch internationale Vier- und Fünfstern-Hotels wie z.b. Hilton, aber selbst da kann es passieren, dass der Angestellte an der Reception kein Englisch spricht.

Die meisten historischen Stätten kosten Eintritt, was meiner Meinung nach absolut ok ist, schliesslich sind Unterhalt und Ausgrabungen auch nicht gratis. Teilweise wird sogar ein ziemlicher Aufwand betrieben: In Pergamon z.B. wurde eigens für die Touristen eine grosse Gondelbahn auf den Ausgrabungshügel gebaut. Wir wähnten uns eher in den Schweizer Alpen denn in der Türkei.

Neben all den historischen Stätten hat mir persönlich v.a. die bizarre und märchenhafte Landschaft Kappadokiens gefallen. Wanderferien zwischen den Feenkaminen, das wäre mal was…

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Fotografisches

Last but not least auch noch ein paar fotografische Anmerkungen – dies ist schliesslich ein fotografischer Blog und kein Tourismus-Magazin… :-).

Wir waren ja organisiert mit einer grösseren Reisegruppe unterwegs. Das war natürlich aus fotografischer Sicht alles andere als  optimal: Starre Tagesabläufe, kurze Fotostopps (falls überhaupt…!), zur besten Fotografie-Zeit morgens und abends meistens im Bus unterwegs, Pausen finden meistens an uninteressanten Raststätten und Tankstellen statt etc. etc. Es kann schon hart sein, wenn alle 20 Sekunden die geistige Motivklingel schrillt und der Bus unbeeindruckt weiterfährt. Mit der Zeit habe ich jedoch angefangen, diese suboptimalen Bedingungen nicht als Behinderung, sondern als Herausforderung zu sehen. Man wird gezwungen, in den kurzen Fotopausen sehr genau hinzuschauen und effizient vorzugehen, was ja nicht per se schlecht ist (Stichwort „Schulung des fotografischen Blickes“).

Mein grosses Gitzo Stativ habe wohlweislich schon gar nicht mitgenommen. Für gewisse Gelegenheiten, wie z.B. Morgen- oder Abendstimmungen habe ich das Berlebach Mini eingepackt. Zusammen mit dem ausgezeichneten Arcaswiss Getriebeneiger D4 ergab das ein leichtes, sehr kompaktes und trotzdem extrem stabiles Reisestativ. Nur bei der Arbeitshöhe muss man halt Abstriche machen. Ist es nicht eine schnucklige Kombi?

Berlebach Mini mit Arcaswiss D4
Berlebach Mini mit Arcaswiss D4

Alle Bilder sind mit der digitalen Mittelformatkamera Pentax 645D entstanden. Als Objektive hatte ich das 2.8/55mm, das 2.8/90mm MACRO sowie das 2.8/150mm dabei. Der Polfilter war eigentlich standardmässig drauf, nur für Innenaufnahmen oder bei schlechten Lichtverhältnissen habe ich ihn kurz abgenommen. Je länger die Reise dauerte, desto mehr bestätigte sich ein Trend, der sich bereits zu Hause angedeutet hatte: Das neue 90mm Makroobjektiv entwickelt sich zu meinem absoluten Lieblings-Immerdrauf-Allround-Objektiv. Von den rund 500 Türkei-Bildern, die ich behalten habe, stammen rund 350 von diesem Objektiv. Sehr häufig habe ich den Fotorucksack im Bus liegengelassen und bin nur mit dem 90mm an der Kamera losgezogen. Warum gerade dieses Objektiv, schliesslich ist es mit Abstand das schwerste und klobigste der Dreien (siehe auch das Bild oben mit dem Berlebach Mini)? Zuallerst wäre natürlich die sagenhafte Bildqualität zu erwähnen. Auch die Offenblende ist uneingeschränkt zu verwenden. Weitere Gründe sind der sehr effiziente Bildstabilisator sowie die Makro-Funktion. Und zu guter Letzt mag ich einfach die Brennweite (die auf Kleinbild bezogen übrigens ca. 70mm entspricht). Zwar noch kein richtiges Tele hilft sie doch, sich auf Wesentliches zu konzentrieren. Ich war noch nie ein Fan davon, immer möglichst „alles“ oder zumindest „möglichst viel“ ins Bild zu bekommen. Meiner Meinung nach sagt ein gut gewählter Ausschnitt häufig mehr aus als eine Gesamtansicht.

Unterwegs ist mir wieder einmal bewusst geworden, wie wichtig eine konsequente Strategie zur Datensicherung unterwegs ist. Die Speicherkarte einer Mitreisenden machte Zicken und beinahe wären alle Bilder verloren gewesen. Aber dieses Thema ist so wichtig, dass es einen eigenen Beitrag verdient., zu einem späteren Zeitpunkt.

Habt Ihr Fragen oder Anmerkungen? Ich freue mich über Eure Kommentare!

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