Schlechtes Wetter oder faule Ausrede?

Ein etwas plakativer Titel, ich weiss…

Ich möchte heute ein Thema aufgreifen, dass ich im letzten Beitrag (hier) kurz angerissen habe: Wie unterschiedlich Fotografen das Wetter wahrnehmen im Vergleich zu anderen Leuten. Genauer gesagt geht es nicht nur um’s Wahrnehmen, sondern auch um’s Beurteilen. Klar, ein Schneesturm ist ein Schneesturm, egal von welcher Seite man es betrachtet. Normalerweise assoziiert man einen Schneesturm mit „kalt“, „ungemütlich“, evt. sogar „gefährlich“ und beschliesst, sich besser mit einem spannenden Buch auf’s Sofa zu kuscheln. Wer aber auch nur ein kleines bisschen vom Fotografie-Virus befallen ist 🙂 , wird sich nicht lange auf das Buch konzentrieren können. Der Blick geht immer wieder zum Fenster und die Gedanken schweifen ab: „Wie sieht es jetzt wohl im Wald aus?“ oder „Die schöne Baum-Allee, wo ich auf dem Weg ins Büro immer durchfahre, sieht sicher toll aus jetzt bei dem Wind“ oder „Was machen wohl die Boote auf dem See?“ oder „Eigentlich perfektes Wetter für ein paar experimentelle Langzeitbelichtungen“ oder „Der imposante Baum, den ich nie fotografiert habe, weil der Hintergrund so sche…sse ist, müsste bei dem Nebel jetzt doch perfekt freigestellt sein“ etc. etc.

Macht doch einmal den Test: Gebt in Eurem Bild-Archiv die Stichworte „Sommer“ und „Sonne“ ein und vergleicht die Anzahl der gefundenen Resultate mit dem Ergebnis einer Suche mit den Stichwörtern „Regen“, „Sturm“, „Gewitter“. Ich vermute, bei den meisten resultiert ein Verhältnis von 50:1 (oder grösser… 🙂 ).

Natürlich ist das alles jetzt sehr beispielhaft erklärt und natürlich erfinde auch ich immer wieder faule Ausreden, damit ich bei schlechtem Wetter nicht raus „muss“. Alles andere wäre wahrscheinlich auch nicht ganz normal (wobei…, naja lassen wir das… 🙂 ) . Und auch wenn man den inneren Schweinehund überwunden hat, kann es durchaus vorkommen, dass man sich drei Stunden im Nebel oder Schneetreiben die Extremitäten abfriert und doch kein vernünftiges Bild zustande bringt (der leckere Cappuccino und das Extrastück Kuchen nachher schmecken aber trotzdem fantastisch…). Und manchmal hat man das Glück, dass man beim Aufklaren des Wetters schon „vor Ort“ ist und aussergewöhnliche Stimmungen erleben darf. Wer seine Ausrüstung zuhause erst packt, wenn die Sonne durch die Gewitterwolken bricht, ist meistens schon zu spät dran…

Nachfolgend ein paar Beispiele, die Euch hoffentlich ein wenig inspirieren und motivieren.

Schneetreiben

Manchmal hilft das Glück. Zwar hatte ich den Bildausschnitt extra so gewählt, dass allfällige Fussgänger mit drauf wären; dass dann allerdings jemand mit einem roten Regenschirm vorbeikam, war purer Zufall.

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Triest Sturm

Bei diesem Bild von der Reede vor Triest war fünf Minuten vorher die Hölle los: Wind, Regen, Graupelschauer, Blitz und Donner. Aber zum Glück war ich schon vor Ort und konnte so von dieser fantastischen Lichtstimmung profitieren.

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Zürichsee Regenwolke

Aehnlich bei diesem Bild vom Zürichsee. Nicht so extrem wie in Triest, aber auch hier zogen immer wieder Regenwolken mit Windböen über den See.

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Prag im Regen

Prager Ostermarkt im strömenden Regen. So schöne Spiegelungen im Pflaster gibt es nur bei Regen… 🙂

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Uetliberg Schnee, Eis und Nebel

Kalt, kälter, am kältesten. Bei Schnee, Eis und Nebel ist es zwar auf dem Sofa am bequemsten, aber man verpasst halt einiges…

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