Kanalinseln, Jersey – Teil 5

Allgemeine Reisehinweise und -tips

Hier nun der fünfte und letzte Teil der Jersey-Serie.

 

An- und Abreise

GatwickIn der Sommer-Hauptsaison fliegen diverse Fluggesellschaften ab mehreren europäischen Flughäfen direkt nach Jersey oder Guernsey. Im Frühling sind diese Direktflüge aber nicht so zahlreich und manchmal auch zu Unzeiten (Abflug 20:00 Uhr abends etc.). Ich habe mich deshalb entschlossen, mit BA British Airways von Zürich über London (umsteigen) nach Jersey zu fliegen. Der grosse Nachteil bei dieser Variante ist die Tatsache, dass man in London den Flughafen wechseln muss. Ankunft aus Zürich in Gatwick, Weiterflug nach Jersey ab Heathrow. Und beim Rückflug das Ganze umgekehrt. Der ganze Transfer hat sich dann aber als ziemlich unproblematisch herausgestellt, da sich diverse Bus-Unternehmen des Problems angenommen haben und direkte Verbindungen zwischen den verschiedenen Terminals der verschiedenen Flughäfen anbieten. Die Busterminals befinden sich jeweils direkt beim Aus- bzw. Eingang der Flughäfen. Ich habe „National Express“-Busse gewählt, die ca. alle 20 Minuten fahren. Kosten beim Ticketkauf vor Ort: GBP 25.-/Person/Fahrt. Reserviert man im voraus online, kostet es nur GBP 20.-, allerdings muss man sich dann zeitlich festlegen.

Damit der Transfer wirklich stressfrei abläuft, sollte man jedoch unbedingt zwei Dinge beachten:

  1. Gepäck: Das Gepäck wird in London Gatwick ausgecheckt und muss im Bus mitgenommen und in Heathrow wieder eingecheckt werden. Zwar hat es im Laderaum des Cars genug Platz für Koffer etc. aber das Handling kann bei zu vielen Gepäckstücken ziemlich mühsam werden. Unbedingt auch im Vorfeld abklären, ob grössere Gegenstände wie Surfbretter, Fahrräder etc. mitgenommen werden.
  2. Umsteigezeit: BA empfielt mind. 3 Stunden zwischen Ankunft und Abflug für den Transfer zwischen Gatwick (im Süden von London) und Heathrow (im Westen von London). Das kann reichen, muss aber nicht… Der reine Bustransfer dauert bei wenig Verkehr rund 45 Minuten. Auf dem Hinflug am Sonntagmorgen hätte es gereicht, ich hatte aber sicherheitshalber einen späteren Anschlussflug gebucht. Auf der Rückreise Freitag nachmittag hätte es nicht gereicht; der Bus benötigte fast zwei Stunden und stand mehr im Stau als das er fuhr. Wenn man dann genug Zeit-Reserve eingeplant hat, kann man es sich ganz entspannt im Sitz bequem machen, während ringsum nervöse Hektik ausbricht… 🙂

Selbstverständlich kann man auch mit der Bahn oder dem Auto an die französische Atlantikküste fahren und von dort eine der vielen Fährverbindungen nehmen.

Der Transfer vom Flughafen Jersey nach St. Hélier verläuft entspannt mit der Buslinie Nr. 15 (Tickets werden im Bus beim Fahrer gekauft, es gibt keine Ticket-Automaten).

 

Geographie

Obwohl zu England gehörend, ist die geographische Lage im Aermelkanal näher bei Frankreich als bei England. Bei gutem Wetter ist die französische Küste in Sichtweite. Die Kanalinseln bestehen aus mehreren Inseln, wovon jedoch nicht alle dauernd bewohnt sind. Die grössten sind Jersey (Hauptinsel), Guernsey, Sark und Alderney. Aber selbst Jersey als die grösste der Inseln ist nicht wirklich gross: Ca. 15 km lang und 10 km breit, 120qkm und 100’000 Einwohner. Der höchste Punkt liegt im Norden auf ca. 147m.ü.M.

 

Mobil auf der Insel

MietradAufgrund der kurzen Distanzen und dem Fehlen von grösseren Bergen ist man zum Herumreisen nicht auf ein Auto angewiesen. Im Gegenteil: Auf den engen, kurvenreichen Strässchen sind schon mehr als genug Einheimische unterwegs, sodass ich eigentlich nur empfehlen kann, auf das Auto zu verzichten. Zum einen ist das Busnetz sehr gut ausgebaut (Tages- oder Wochenkarten empfehlenswert), zum anderen bietet sich ein (Miet-)Fahrrad als perfektes Fortbewegungsmittel an. Man ist relativ schnell vor Ort, flexibel (sowohl zeitlich wie geographisch) und kann von einem umfangreiches Radwege-Netz profitieren. Viele dieser Radwege führen über sogenannte „Green Lanes“. Dies sind verkehrsberuhigte oder teilweise ganz motorfahrzeugbefreite Strässchen, die zum genussreichen und stressfreien Radeln einladen. Auch auf den normalen Strassen sind die Autofahrer im allgemeinen sehr geduldig und rücksichtsvoll unterwegs; Ausnahmen bestätigen die Regel. Es gibt einige Unternehmen, die Fahrräder der verschiedensten Art vermieten, teilweise auch online im Vorfeld buchbar. Ich habe mich, auch auf Empfehlung meines Hotels, für „Zebra Cycles“ entschieden. Das Fahrrad war OK, der Service aber eher gleichgültig bis unfreundlich – sehr untypisch für Jersey (siehe unten).

Ach ja, und natürlich herrscht Linksverkehr wie überall in England…

 

Natur

Da die Kanalinseln im Golfstrom liegen, bleiben sie von extremen Temperaturen verschont. Im Winter gibt es nur selten Frost, im Sommer nur selten Hitzetage. Mit Wind ist aber natürlich immer zu rechnen, mal weniger, mal mehr…

Im Süden und Westen gibt es grosse Sandstrände, die sich mit felsigen, aber eher flachen Abschnitten abwechseln. Der Osten ist ganz ähnlich, allerdings sind die Strände eher kiesig als sandig. Die Nordküste ist wild und felsig mit hohen Klippen. Das Inselinnere ist üppig grün mit Viehweiden, Landwirtschaft und durchzogen von vielen kleinen Strässchen und Wegen.

Das mit Abstand bestimmendste Element sind aber sicher die Gezeiten. Der Tidenhub (Unterschied zwischen höchstem und tiefstem Wasserstand) beträgt bis zu 12 Meter, abhängig von Jahreszeit und Wetter. Viele Badebuchten sind überhaupt nur bei Ebbe zugänglich und verwandeln sich bei Flut in eine Felsenküste mit donnernder Brandung. Umgekehrt gibt es viele Orte, die bei Ebbe eher trostlos wirken wie z.B. Fischerhäfen. Die Gezeiten sind aber nicht nur in Betracht auf Fotomotive wichtig; die Nichtbeachtung der Gezeitentabelle kann fatale, evt. sogar tödliche Auswirkungen haben!

Plémont Bay bei halber und ganzer Flut

Plemont Bay Gezeiten

 

Leute

Zwar gibt es auch auf Jersey Angestellte, die mit sauertöpfischer Miene an der Ladenkasse stehen, aber im allgemeinen sind die Leute sehr höflich und zuvorkommend, sei es in Restaurants, Läden oder auf der Strasse. Sogar das Security-Personal am Flughafen, überall sonst auf der Welt der Inbegriff von Grimmigkeit, lächelt freundlich bei der Gepäckkontrolle. Was die Dame allerdings nicht daran hinderte, während des netten Gesprächs meinen Fotorucksack aufs Peinlichste genau zu durchsuchen, inkl. Funktionskontrolle von Kamera und Objektiven… 😉

Landessprache ist Englisch, daneben wird allerdings auch noch Französisch mit einem alten normannischen Dialekt gesprochen, der selbst von den Franzosen nicht verstanden wird. Ich hatte ehrlich gesagt sogar Mühe mit dem Englisch, da auch dieses etwas dialektgefärbt ist.

 

Diverse Infos

Währung/Preisniveau: Jede Insel hat ihre eigene Währung, auf Jersey ist es das Jersey-Pfund JEP. Es werden jedoch auch britische Pfund GBP akzeptiert, der Wechselkurs ist 1:1. Aber Achtung: Wenn man auf der Insel Geld wechselt, erhält man normalerweise JEP, die man im übrigen Europa nicht mehr umtauschen kann. Es gibt allerdings auch Geldautomaten, die GBP ausspucken. Das Preisniveau würde ich im europäischen Mittelfeld ansiedeln, d.h. für uns Schweizer etwas billiger als zuhause.

Essen/Verpflegung: Ganz ehrlich, ich war nur selten im Restaurant, da ich mich meistens fliegend verpflegt habe. Daher kann ich nichts zur Qualität oder Auswahl der Gerichte in der Gastronomie sagen. Die Anzahl und Diversität der Restaurants lässt jedoch hoffen, dass für alle Geschmäcker etwas dabei ist. Für Selbstversorger wie mich finden sich überall kleinere und grössere Lebensmittelgeschäfte; einen richtigen Supermarkt, der diesen Begriff auch verdient, habe ich allerdings nicht gesehen.

Touristen/Sehenswürdigkeiten/Souvenirs: Ich weiss nicht, wie es in der Hochsaison ist, aber während meines Aufenthaltes Ende Mai/anfangs Juni waren die bekannten Plätze und Sehenswürdigkeiten nie überlaufen. Ich musste nirgends anstehen oder mich für ein Foto durch Menschenmassen drängeln. Im Gegenteil, gewisse Orte waren abends (also im schönsten Foto-Licht) praktisch menschenleer und konnten so ihre ganze Schönheit und Magie entfalten. In der Hauptstadt St. Hélier waren naturgemäss am meisten Touristen anzutreffen, die meisten britischer Nationalität.

Es gibt einige lokale Delikatessen, die auch fleissig beworben werden: Die Black Butter (die eigentlich eher eine Art Apfel-Konfitüre mit Gewürzen und Lakriz ist) ist nicht so ganz mein Geschmack. Die Milchprodukte hingegen sind von hervorragender Qualität. Etwas enttäuscht war ich von der viel gepriesenen Schokolade „aus reiner Jersey-Milch“. Bei näherem Hinsehen bzw. Lesen des Kleingedruckten stellte sich heraus, das gerade mal 10% der Milch von Jersey Kühen stammte und die Schokolade in den Niederlanden nach belgischem Rezept hergestellt worden war. Das können wir Schweizer definitiv besser… 😉 . Sehr hübsch fand ich jedoch die Tonwaren: Handgemacht, originelle Farben und Formen; bei den Preisen musste ich allerdings mehr als einmal leer schlucken.

Der guten Ordnung halber: Die Bewohner der Kanalinseln sind nicht nur sehr höflich, sondern scheinen auch einen gut ausgeprägten Ordnungssinn zu haben. Auf den Strassen z.B. steht bei den Zebrastreifen „look right“ oder „look left“, was bei den Rechtsverkehr-gewohnten Touristen gar keine schlechte Idee ist. Auch hat es viele öffentliche Toiletten, die im allgemeinen ziemlich sauber sind. Sehr häufig findet man auch Hinweise der Art wie „Next toilet at 4 miles in St. Aubin“. Und für schreckhafte Naturen findet sich häufig der Hinweis, dass das Reinigungspersonal auch die WC’s des jeweilig anderen Geschlechtes betritt… 🙂 .

Noch eine kleine Anekdote zum Schluss: Wer auf dem Liberation Square in St. Hélier sein Picknick verzehren will, sollte gut aufpassen. Die Menschen auf Jersey sind sehr höflich und die Rinder zutraulich, aber die Seemöwen – hoppla! SeemöweAls ich auf den Steintreppen dort ein Stück Kuchen geniessen wollte und die bettelnden Möwen ignoriert habe, hat sich so ein Riesenviech seinen Anteil im Sturzflug geschnappt; gerade als ich ein Stück abbeissen wollte, also praktisch vom Mund weg…! Da war ich erstmal baff. Das Eis, dass ich mir darauf hin noch gönnte, habe ich dann wohlweislich an einem anderen Ort verzehrt…

 

Fotografische Anmerkungen

Aus fotografischer Sicht ist die Insel natürlich ein Paradies. Die vier Tage, die dort verbrachte, haben nicht ansatzweise gereicht, um allen Schönheiten der Insel gerecht zu werden. Ausrüstungs-technisch sind aus meiner Sicht drei Punkte zu beachten:

  • Da man immer wieder mal mit einem Regenguss rechnen muss, sollte man sich um einen Spritzschutz kümmern, falls die Ausrüstung nicht schon von Haus aus spritzwassergeschützt ist.
  • Eigentlich gilt dies generell für die Landschaftsfotografie: Unbedingt Grau-, Grauverlaufs- und Polfilter einpacken, damit man mit den Strukturen in Wasser und Wolken „spielen“ kann.
  • Daraus ergibt sich auch der dritte Tip: Ein stabiles Stativ ist unverzichtbar, da aufgrund des teilweise recht heftigen Windes ein herkömmliches Wackeldingens völlig ungeeignet ist.

Ich hatte wie üblich die Pentax 645D dabei mit den Objektiven DFA 3.5/35mm, DFA 2.8/90mm MACRO und FA 2.8/150mm. Die ganze Ausrüstung inkl. Filter, Zwischenverpflegung und einer Flasche Wasser hatte im F-Stop Kenti Platz, das Stativ wurde auf dem Gepäckträger des Fahrrades festgeschnallt.

Steam Clock in St. Hélier:

Steam Clock St. Hélier

 

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